Der Ort des Paradieses. Zu den poetologischen Grenzen der Emblematik bei Paul Gerhardt: („… dort im andern Leben“. Das Paradies bei Paul Gerhardt, in seiner ... 9)

Der Ort des Paradieses. Zu den poetologischen Grenzen der Emblematik bei Paul Gerhardt: („… dort im andern Leben“. Das Paradies bei Paul Gerhardt, in seiner ... 9)

by Walter Schmitz

Tytuł oryginalny
Atomic Habits
Język oryginału
Angielski
Liczba stron
320
Wydawnictwo
Avery

O tej książce

Um 1800 verliert das Paradies seinen Ort. Es war – in kultureller Repräsentation – schon nach der kopernikanischen Revolution des 17. Jahrhunderts nicht mehr das Jenseits zum Raum diesseitigen Lebens. Nach der weniger spektakulären, aber umso weiter ausgreifenden Vermessung der Welt im 18. Jahrhundert war ein Paradies im räumlichen Universum dann vollends als Jenseits nicht mehr vorstellbar. Das Jenseits musste neu bestimmt und damit auch die Vorstellung des Diesseits verändert werden. In Heinrich von Kleists berühmter Anekdote „Über das Marionettentheater“, die vom 12. bis zum 15.12.1810 in den „Berliner Abendblättern“ erschien, wird dies in eine raffiniert ver– schränkte Paradoxie gefasst. Der Engel mit dem Flammenschwert, so erklärt dort Herr C. dem berichtenden Ich, stehe hinter uns. Das Paradies sei uns verschlossen. Und so bleibe uns denn nichts übrig, als einmal um die Welt zu reisen, um zu sehen, „ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.“ Was Kleist hier anbietet, ist das Kolumbus-Paradox mit einem inhärenten Bruch. Denn hätte Kolumbus seine Reise um die Welt, die ja die praktische Folgerung aus der theoretischen Konzeption von der Erde als Kugel im Kosmos ziehen sollte, tatsächlich durchgeführt, so wäre er wieder in Spanien, also am Ausgangspunkt angekommen. Die Bewegung im Raum wäre letztlich zirkulär kurzgeschlossen worden und damit die verflossene Zeit gleichsam ebenso vernichtet. Freilich, was niemand Zwischen Aufbruch und Ziel lag das Unbekannte, lag die ‚neue Welt‘ Amerika, gleichsam ein SurrogatParadies. Der paradoxe Vorsatz des Kolumbus hatte so die Ordnung des Diesseits verändert – und es sollte lange dauern, bis ‚Amerika‘ kein Ort der Verheißung, sondern nur noch ein gewöhnlicher Kontinent war. Kleist aber übersetzt die Raumordnung der Erde in eine metaphorische Topographie, der eben der Bezugspunkt in der Wirklichkeit abhandengekommen ist. Wie eigentlich sollten wir ‚um die Welt‘ reisen, in der Hoffnung, nicht wieder am selben Ort, von dem wir ausgegangen sind, anzukommen? Wo wäre das Paradies?

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